Wahlverw.
  
 
   
Wahlverwandtschaften 2
Malerei, Skulpturen, Grafik, Objekte
11. Mai - 1. Juni 2002


Harald Goepfert,
Groß Heide
Gerd Nipp, Vasenthien
Werner Götz, Nienwalde
Pirjo Niiranen, Bremen
Hiltrud Schäfer, Osnabrück
Annerose Bekker, Magdeburg

zur Vernissage, am 11. Mai um 19 Uhr tanzte Gudrun Soujon

Wahlverwandtschaften
Unter diesem Titel veranstaltete die Kunst-Halle Jamein bereits im Jahr 1996 zum erstenmal eine Ausstellung, bei der einige Künstler aus der hiesigen Region Kollegen aus anderen Gegenden einluden, weil sie deren Arbeiten schätzten.
Ohne dass dabei irgendeine tiefgründige Absicht eine Rolle gespielt hätte, ergab es sich diesmal, dass die drei Künstler der KUNST-HALLE JAMELN drei Kolleginnen von auswärts einluden. So ergab sich das bei Kunstausstellungen leider immer noch äußerst seiten anzutreffende Geschlechterverhältnis von 1:1.
Die drei ausstellenden Künstler aus dem Wendland - gleichzeitig auch die Gründer der Kunsthalle, sind der Maler Harald Geopfert und der Maler Gerd Nipp, die neue Bilder zeigen, außerdem der Bildhauer und Maler Werner Götz, von dem Farbxerografik zu sehen sein wird. Eingeladen haben sie diesmal die in Bremen lebende finnische Malerin Pirjo Niiranen, die einzige Ausstellende, deren Arbeit bisher im Landkreis noch nicht zu sehen war, auch sie zeigt Bilder.
Die aus Magdeburg stammende, und im Nachbarkreis Osterburg lebende Malerin und Bildhauerin Anne Rose Bekker, die bereits beim Kunstverein Hitzacker mit Fahnen und einer Installation bei der Fensterschau hervortrat, zeigt diesmal Plastisches aus Keramik und Holz.
Als dritte wird die in Osnabrück lebende und lehrende, mit selbst geschöpftem Papier arbeitende Hiltrud Schäfer, Objekte und Installationen zeigen. Arbeiten von ihr waren bereits früher im Landkreis zusehen, unter anderem in der allerersten Veranstaltung der Jamelner Kunsthalle, bei ES IST WAR!
Zur Vernissage, am Samstag, dem 11. Mai um 19 Uhr wird die Tänzerin Gudrun Soujon aus Bremen eine Tanzperformance präsentieren.
Die Ausstellung Wahlverwandtschaften 2 ist geöffnet vom 11. Mal bis einschließlich 1. Juni 2002; an Pfingsten von Samstag bis Montag jeweils von 11 bis 19 Uhr; sowie an den weiteren Wochenenden samstags und sonntags jeweils von 15 bis19 Uhr.


Elbe-Jeetzel-Zeitung, 14. Mai 2002
Kultur lokal:

Körper und Kunst
Kunsthalle Jameln: »Wahlverwandtschaften 2»

sum Jameln. Vorsichtig tastet sich eine zarte Frauengestalt aus einem Türrahmen am Bühnenrand, schiebt sich vor der weißen Rückwand in den Raum und geht in Kontakt zu den Kunstobjekten, die dort ausgestellt sind. Zurückhaltend und doch kraftvoll sind die Figuren die sie tanzt.
In der Kunsthalle Jameln. erlebt die Ausstellung »Wahlverwandtschaften 2» eine beeindruckende Eröffnungszeremonie. Gudrun Soujon, Tänzerin aus Finnland mit Wohnsitz in Worpswede, entwickelt in ihrer Performance eine Kommunikation zwischen der bildenden Kunst und der künstlerischen Ausdrucksform des Körpers. Im Tanz erlebt sie »wie durch ein Vergrößerungsglas, die Vielfalt menschlicher Gefühle und Poesie. Es entsteht ein innerer Dialog mit sich selbst, mit anderen, mit Zeit und Raum». Inspiriert von den Werken, scheint sie die Farben und Strukturen der Werke auf zu nehmen und in Bewegung umzusetzen. Ohne aufdringlich zu werden, mit stimmhaften Abläufen, mal in Bewegung, mal in Ruhe, tritt sie in Kontakt.
Von Annerose Bekker aus Magdeburg stammen die archaisch anmutenden Gefäße aus Terrakotta. Wie mittelalterliche Reliquienschreine wirken die profanen Alltagsartikel, so Helga Möller-Ehbrecht, Kunstlehrerin und Künstlerin aus Dannenberg, in ihrer informativen Einführungsworten. Ein Koffer, eine Truhe bekommen durch ihre Entfremdung den Zauber einer alten Kultur. Die Motive der finnischen Malerin Pirjo Niiranen sind Erinnerungen an die Kindheit. Sparsam in Farbigkeit und Linienführung sind sensible Bilder entstanden, die sich behutsam der Präsenz der Nordische Landschaft nähern und aus ihr schöpfen. Wie ein leerer Kokon liegt die »Janus Figur» von Hiltrud Schäfer aus Osnabrück auf einem Stahltisch. Ein zwiespältiges transparentes Wesen und faszinierendes Abbild von Vergänglichkeit und Zerfall. Mehr Hülle als Körper. Eine Installation auf dem Fußboden der Kunsthalle besteht aus zarten zerbrechlichen Hüllenwesen, die aus Papier handgeschöpft sind, in kleinen Bleibehältern verlassen schlummern.
Farbintensiv dynamisch sind die Bilder der Künstler-Gastgeber. Werner Götz beeindruckt durch reliefhafte, abstrakte Formenvielfalt, die er mit der Technik der Farb-Xerografik entwickelt hat Harald Goepfert zeigt überdimensionale dynamische Stillleben und Bilder in denen Gegenständliches im Imaginären, Abstrakten zu verschwinden scheint und umgekehrt. Bei Gerhard Nipp entsteht Lebendigkeit durch die Schichtung der Farbe. Aus sattem Blau und Grün schimmert ein neuer Blick, ein andere Einblick.

Annerose Bekker, Truhe
Annerose Bekker, Truhe
  
Harald Goepfert
Harald Goepfert
  
Pirjo Niiranen - Kalat, Fische 2000
Pirjo Niiranen - Kalat, Fische 2000
  
Werner Götz, Xerografik
Werner Götz, Xerografik
  
Hiltrud Schäfer, Papierobjekte
Hiltrud Schäfer, Papierobjekte
  
Gerd Nipp
Gerd Nipp